Youth in Nature: wir sind dann mal draußen

Was ist Youth in Nature?

Damit naturinteressierten Menschen schon im jüngeren Alter der Weg zum Artenkenner oder zur Artenkennerin bereitet wird, hat der Landesnaturschutzverband als Bestandteil der Initiative Artenkenntnis das Jugendprojekt Youth in Nature ins Leben gerufen. Das Projekt richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben und diese vertiefen möchten.
Ziel: Aus Interesse wird Passion!
Der Landesnaturschutzverband freut sich sehr, dass sich so viele Jugendliche beworben haben. Und so konnten trotz Corona die ersten der fünf Gruppen im September 2020 an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg starten.

Weitere Bewerbungen für die Warteliste sind möglich.

Hier geht es zur Bewerbung
Hier findest du unseren Projektflyer
Hier findest du die genaue Projektbeschreibung
Hier findest du Infos zu den fünf Gruppen – Gruppenleitung und Termine
Hier findest du die Vorstellung unserer Projektleiterin
Hier gibt es Einblicke in die Gruppenaktivitäten

Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahre alt wollen mehr über die Natur wissen

Sie gehen mit einer sachkundigen Artenkenner*in auf Safari direkt vor der Haustür, im Wäldchen, auf der Wiese oder im Stadtpark. Dabei werden sie mehr Arten kennenlernen als Amsel, Drossel, Fink und Star oder Gras, Blume und Baum. Auch Arten wie Ameisenlöwen, Haselblattroller, Schöngelber Klumpfuß oder das Gewöhnliche Katzenpfötchen gibt es zu entdecken und zu studieren. Und da man nur schätzt und schützt was man kennt, hoffen wir auf tatkräftige künftige Expert*innen.

Bild: Rajaei/SMNS

Menschen, die Arten kennen, sind wichtig!

Rund 90 Jugendliche werden über zwei Jahre Teil einer Gemeinschaft, die von ihrer Gruppenleitung und verschiedenen Arten-Expert*innen angeleitet werden. Die fünf Projektgruppen starteten im September 2020 in den Großräumen Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart (2 Gruppen) sowie Tübingen.

Ohl-Schacherer
J.Ohl-Schacherer

Gelehrt wird:

  • wie Vögel, Säugetiere, Insekten, Amphibien, Reptilien, Pflanzen und andere Artengruppen von Arten bestimmt werden;
  • wichtiges über Lebensräume und deren Zusammenhänge;
  • Techniken und Methoden zu Fang, Beobachtung und Bestimmung von Tieren;
  • Einblicke in Museen, Naturschutzzentren, biologische Feldstationen oder andere naturkundliche Forschungseinrichtungen;
  • Exkursionen in Schutzgebiete.

Das Programm läuft vorerst über zwei Jahre bis zum Ende des Schuljahres 2021/22. Die Teilnahmegbühr bei Anmeldung für das Schuljahr 2021/22 beträgt 75 Euro.

A. Hachenberg

Ökomobil Tübingen, Regierungspräsidium

Hier findest Du unsere Gruppen

Es gibt fünf Gruppen:
Region Freiburg
Region Karlsruhe
Region Stuttgart – Nord
Region Stuttgart -Süd
Region Tübingen
Einblicke in die Gruppenaktivitäten

In den Monaten Januar bis Mai 2021 haben wir pandemiebedingt ein Online- Alternativprogramm für alle Gruppen angeboten.
Das waren unsere Themen:
30.01.2021: Vogelzug, Referent: Dennis Günther (B.Sc.)
27.02.2021: „Dich kenn ich!  – Kennenlernen zentraler Bestimmungsmerkmale am Beispiel von Insekten”, Referent: Heiner Götz, Gymnasiallehrer und Ornithologe
20.03.2021: Warum ist es wichtig Arten zu kennen? Was ist Biodiversität? Referent: Prof. Dr, Markus Röhl, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
17.04.2021: Wildbienen, Referentin: Marina Moser, Naturkundemuseum Stuttgart
08.05.2021: Amphibien, Referentin: Nadine Hammerschmidt, Naturkundemuseum Stuttgart

Projektleiterin

Kathrin Schlecht
Kathrin Schlecht ist Koordinatorin des Projekts Youth in Nature. Sie ist Dipl. Biologin und arbeitet seit vielen Jahren im verbandlichen Naturschutz. Das Projekt Youth in Nature ist ein weiteres Jugendprojekt, das sie begleitet.

Haben Sie Fragen zum Projekt? Dann schreiben Sie ihr über unser Kontaktformular oder an
youth-in-nature@initiative-artenkenntnis.de.

Dieses Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.



Termine für den Raum Tübingen

Die Regionalgruppe Tübingen wird von Judith Engelke geleitet.


Ich bin Judith Engelke und leite die Gruppe im Raum Tübingen.
Wann immer ich länger raus komme, bin ich mit dem Zelt in Europa unterwegs.
Wieder daheim begeistert es mich dann, was man auch in Tübingen vor der Haustür alles entdecken kann. Ich freue mich drauf, mit euch und spannenden Artexpert*innen noch mehr zu erkunden!
Mach mit in der Gruppe im Raum Tübingen

Während der Pandemie gibt es für sämtliche Veranstaltungen ein Hygienekonzept mit den jeweils geltenden rechtlichen Vorgaben.

  • Planung für das Schuljahr 2021/22
  • 02.10.2021 Standvögel, Durchzügler und Wintergäste – ornithologische Exkursion mit dem Biologen Andreas Hachenberg, Regierungspräsidium Tübingen
  • 20.11.2021 Überlebenskünstler vom Moor bis in die Wüste – Die Vielfalt der Moose mit Sonja Thielen, Universität Tübingen
  • 12.03.2022 Makrozoobenthos – Was lebt im Goldersbach; mit Dr. Arnold Stanicek, Naturkundemuseum Stuttgart
  • 09.04.2022 Unsere heimischen Lurche – Amphibien mit Dr. Thomas Bamann, Referent für Artenschutz beim Regierungspräsidium Tübingen
  • 07.05.2022 Auf der Pirsch – Naturbeobachtung und -fotographie in der Streuobstwiese mit Dietmar Nill, einem der besten deutschen Naturfotografen
  • Juni 2022 Wochenende am Federsee (noch unter Vorbehalt)
  • 02.07.2022 Libellen; mit dem Biologen Heiner Götz (noch unter Vorbehalt)
  • 16.07.2022 Wie arbeiten die Profis? Ökofaunistische Methoden am Beispiel der Tagfalter, mit Dr. Nils Anthes, Universität Tübingen
  • Das waren unsere Veranstaltungen im Schuljahr 2020/21
  • 24.07.2021 Botanischer Ausflug, Exkursion mit Dr. Alexandra Kehl. Sie ist wissenschaftliche Betreuerin des Botanischen Garten der Universität Tübingen und lehrt dort auch Botanik für Studierende.  Mit ihr werden wir uns einen Tag der Faszination der Pflanzen widmen.
  • 17.07.2021  Keschern, Klopfen und Lauschen: Wir entdecken Heuschrecken! Was gibt es für verschiedene Methoden um Heuschrecken zu erfassen, wo gibt es sie überall und woran erkennt man eigentlich, welche Art es ist? Das werden wir mit Dr. Thomas Bamann (Referent für Artenschutz am Regierungspräsidium Tübingen) kennenlernen.
  • 18./19.06.2021 Fledermaus-Pirsch mit Ingrid Kaipf – Abendveranstaltung in geteilter Gruppe. Ingrid Kaipf ist Fledermaus-Expertin und sehr engagiert für deren Schutz. Sie wird uns einen Einblick in die Welt dieser heimlichen Geschöpfe eröffnen. Wie viele verschiedene Arten verbergen sich hinter den dunklen Schatten am Abendhimmel und wie kann man diese bestimmen? Wieso sind viele Fledermausarten bedroht und was kann man dagegen tun? ACHTUNG: Da Fledermäuse nun einmal in der Dämmerung aktiv sind werden wir zwei kürzere Exkursionen mit jeweils der halben Gruppe durchführen.
  • pandemiebedingt verschoben: 24.04.2021 Kiebitz-Balz, Feldvogelschutz und Wasservögel am Bischofsee, Ornithologische Exkursion mit den Biologen Heiner Götz und Andreas Hachenberg. Dank gezielter Artenschutzmaßnahmen können wir zwischen Wurmlingen und Rottenburg wieder Kiebitze bei ihren akrobatischen Balzflügen beobachten. Aber warum geht es auch anderen Feldvögeln besonders schlecht und was wird im Kreis Tübingen dagegen getan? Und was können wir im Anschluss am Bischofsee noch für Wasservögel entdecken?
  • coronabedingt augefallen: 21.11.20 Besuch des Naturkunde-Museums Stuttgart, Schloss Rosenstein: Ein Blick hinter die Kulissen mit dem Biologen Ulrich Schmid.
  • 10.10.2020 Das Reich der Pilze; Pilze sind überall zu finden und übernehmen wichtige Funktionen. Die unglaubliche Vielfalt, weit über Champignon und Steinpilz hinaus, zeigt uns Prof. Dr. Michael Weiß (Leiter des Steinbeis-Innovationszentrum Organismische Mykologie und Mikrobiologie; Experte für Systematik, Evolution und Ökologie der Pilze). Einige spannende Pflanzen und Flechten werden dabei auch nicht unentdeckt bleiben.
  • 19.09.20 Baumeister Biber kennen lernen und das Leben im Kies erkunden
    Exkursion an den Neckar bei Tübingen/Hirschau mit Udo Dubnitzki, Fließgewässerwart Kreisfischereiverein Tübingen

Termine für die Gruppe Stuttgart-Süd

  • Sämtliche Exkursionen finden nur bei zulässigen Inzidenzwerten und unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften statt
  • Exkursionen im Schuljahr 2021/2022
  • 25.09.2021 Exkursion zum Thema Reptilien I. Mit der Dipl. Biologin Nadine Hammerschmidt (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Koordinatorin der Landesweiten Artenkartierung (LAK) der Amphibien und Reptilien Baden-Württemberg).
  • 02.10.2021 Wir beringen Vögel. Mit BSc Saskia Dönert
  • 15.01.2022 Der Wald. Mit der Waldpädagogin Tina Günther
  • 14.05.2022 Exkursion zum Thema Reptilien II. Mit der Dipl. Biologin Nadine Hammerschmidt (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Koordinatorin der Landesweiten Artenkartierung (LAK) der Amphibien und Reptilien Baden-Württemberg).
  • 02./03.07.2022 Wochend-Exkursion Tübingen
  • weitere Termine folgen…
  • Das war das Schuljahr 2020/2021
  • 24.07.2021 Spannende Pflanzen in den Hohenheimer Gärten; Mit Dr. Anna Krupp von der Universität Hohenheim.
  • 12.06.2021 SpinnenExkursion. Mit dem Dipl. Biologen Ingo Wendt (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart)
  • aufgrund der Corona-Beschränkungen verschoben: 24.04.2021 Exkursion zum Thema Reptilien (Schwerpunkt Eidechsen und deren Habitat und Gefährdung) in Stuttgart Bad Canstatt. Mit der Dipl. Biologin Nadine Hammerschmidt (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Koordinatorin der Landesweiten Artenkartierung (LAK) der Amphibien und Reptilien Baden-Württemberg).
  • 25.10.2020 Fische/Gewässerlebewesen kennenlernen mit dem Fischmobil
  • 12.09.2020 Schnecken – eine massiv unterschätzte Tiergruppe, mit der Biologin Anette Rosenbauer (Naturkundemuseum Stuttgart)
  • In der Zeit von Dezember 2020 bis Mai 2021 gab es pandemiebedingt monatliche Online-Veranstaltungen


Ich bin Pauline Pfeiffer (26), die Gruppenkoordinatorin für den Raum Stuttgart und arbeite als Doktorandin in der Insektenkunde im Naturkundemuseum in Stuttgart. Ich habe Agrarbiologie und Ökologie studiert, da ich unbedingt verstehen wollte und immer noch will, wie die Prozesse in der Natur funktionieren, um sie schützen zu können. Egal, ob es sich um Sport machen handelt, fotografieren, Geocaching, Pflanzen bestimmen, die gute Luft und Ruhe im Wald genießen oder einfach nur mit meinem Hund Gassi gehen, bin ich wahnsinnig gerne draußen. Ich hoffe, in diesem Projekt kann ich diese Freude an der Natur an euch weitergeben und dazu beitragen, dass aus euch echte Artenkenner werden. Denn angesichts des Klimawandels und Artensterbens braucht die Natur solch interessierte und engagierte junge Menschen wie euch!
Meldet euch an für die Gruppe in Stuttgart!

Termine für den Raum Karlsruhe

  • Sämtliche Exkursionen finden nur bei zulässigen Inzidenzwerten und unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften statt.
  • Exkursionen im Schuljahr 2021/22
  • 25.09.2021 Abendexkursion Fledermäuse; mit dem Dipl. Biologen Harald Brünner
  • 23.10.2021 Insekten am Efeu; mit dem Dipl. Biologen Karsten Grabow (PH Karlsruhe)
  • 13.11.2021 Kleinsäuger; mit dem Dipl. Biologen Harald Brünner
  • Januar 2022: Besuch des Naturkundemuseums Karlsruhe, Schwerpunkt Insekten; mit Dr. Manfred Verhaagh (Naturkundemuseum Karlsruhe)
  • weitere Termine folgen…
  • das war das Schuljahr 2020/21
  • 17.07.2021 Libellen; mit dem Dipl. Geoökologen Tobias Wirsing
  • 12.06.2021 Singvögel; mit dem Dipl. Geoökologen Oliver Harms
  • pandemiebedingt verschoben: 15.05. 2021 Abendexkursion zum Thema Fledermäuse; mit dem Dipl. Biologen Harald Brünner
  • pandemiebedingt verschoben: 01.05.2021 Blumen und Gräser im Freiland; mit dem Dipl. Biologen Andreas Kleinsteuber
  • coronabedingt ausgefallen: 07.11.20 Kleinsäuger fangen und bestimmen Wie macht das der Experte? mit dem Biologen Harald Brünner
  • 17.10.20 Zugvögel beobachten auf ihrem Weg zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum mit Vogelkundler Oliver Harms
  • 26.09.20 Der Auwald auf der Altrheininsel Rappenwört: Aufbau eines Ökosystems sowie Bäume, Sträucher und Säugetiere kennenlernen; mit Jessica Meyer-Rachner, Dipl. Forstwirtin, zertifizierte Wald- und Erlebnispädagogin
  • in der Zeit von Dezember 2020 bis Mai 2021 fanden pandemiebedingt monatliche Online-Veranstaltungen statt

Die Regionalgruppe Karlsruhe wird von Stefano Marci geleitet.


Ich heiße Stefano Marci und bin Biologe. Mir macht es große Freude, immer Neues von unserer Welt zu entdecken und jeder Gang in die Natur bringt mich dem Wunder des Lebens näher. Ich halte es für sehr wertvoll die Natur kennen und lieben zu lernen, als Voraussetzung, um sie zu respektieren und langfristig zu schützen. Schon vor der eigenen Haustür gibt es jede Menge Spannendes zu entdecken.Komm mit und erkunde mit unserer Karlsruher Gruppe Tiere und Pflanzen in der Umgebung!
Meldet euch an für die Gruppe in Karlsruhe

Arten kennenlernen (mit Quiz)

Bilder im Quiz zur Artenkenntnis

Check deine Artenkenntnis!

Hier kannst du einfach mal testen, ob du vielleicht schon Profi bist. Wenn nicht, kann dir Youth in Nature sicher dabei helfen!

Bilder im Quiz zur Artenkenntnis
Die Auflösung finden Sie unter naturgucker.de (nicht vorher spickeln!) Hier kannst du übrigens auch deine eigenen Naturbeobachtungen veröffentlichen und die Funde andere Naturbegeisterter bestaunen.

Landesnaturschutzverband startet „Initiative Artenkenntnis“

  • Artenkennerinnen und -kenner sind vom Aussterben bedroht
  • Wissenserosion gefährdet Planungs- und Naturschutzarbeit
  • Ministerpräsident Kretschmann ist Schirmherr

Neben vielen Tier- und Pflanzenarten drohen auch die Fachleute auszusterben, die sich mit diesen Arten auskennen. Daher hat der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) am Montag die „Initiative Artenkenntnis“ gestartet. Schirmherr ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Unser Ziel ist es, Menschen an die Artenvielfalt heranzuführen und die Ausbildung in diesem grundlegendsten Bereich der Biologie und der Ökologie endlich wieder zu verbessern – vom Kindergarten bis zur Universität“, sagt der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner. Dazu formt der LNV ein breites Netzwerk, betreibt Lobbyarbeit und startet eigene Projekte wie jetzt „Youth in Nature“.

Planungsbüros suchen händeringend Artenkenner

Wer sich bei Planungsbüros und in der Naturschutzverwaltung erkundigt, wie gut sie ihren Bedarf an neuen Mitarbeitenden mit fundierten Artenkenntnissen decken können, erhält meist ähnliche Antworten: Schwierig. „Es gibt leider keine umfassende Untersuchung zum Niedergang der Taxonomie in Baden-Württemberg – noch nicht. Mit unserer Initiative wollen wir das ändern“, sagt LNV-Chef Bronner. „Aber was wir heute schon wissen, ist alarmierend.“ Taxonomie ist die Lehre von der Klassifizierung der Arten.

Bereits 2016 hatte der LNV eine Umfrage unter Planern und in den Naturschutzbehörden gestartet. Das Ergebnis auch hier: Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber mit Arten- und Kartierkenntnissen sowie landschaftsplanerischen Fähigkeiten sind in Baden-Württemberg selten. Deutschlandweit sieht es nicht besser aus.

Ein Fünftel weniger Artenkenner als vor 20 Jahren

Wer in Zeiten des Insektensterbens etwa nach Käfer-Fachleuten sucht, muss geduldig sein. Spezialisten gibt es nur für rund die Hälfte der heimischen Käferfamilien. Lediglich rund 20 Personen in Deutschland erkennen alle 550 Arten von Laufkäfern. Viele davon sind betagte Senioren. Stechmücken können nur von einem guten Dutzend Personen bis auf Artniveau bestimmt werden. Insgesamt ergab eine Befragung, dass in den vergangenen 20 Jahren die Gruppe der Artenkenner um 21 Prozent geschrumpft ist.

Professor Dr. Albert Reif beklagt das Fehlen von Artenkenntnis

„Die Taxonomie droht zu einer Art Geheimwissenschaft zu werden“, warnt auch Professor Dr. Albert Reif, der ehemalige Leiter der Professur für Standorts- und Vegetationskunde der Universität Freiburg, der die Initiative für den LNV koordiniert. „Ohne fundiertes Artenwissen ist es jedoch nicht möglich, Bauprojekte rechtssicher zu planen und Schutzgebiete zu entwickeln. Der gesamte Schutz der Biodiversität ist infrage gestellt.“ Die meisten Hochschulen haben in den vergangenen Jahren den Bereich Taxonomie heruntergefahren und Stellen abgebaut. Stattdessen konzentrieren sie sich auf neuere und prestigeträchtigere Themenfelder, etwa Genetik und Mikrobiologie. Die Folge: Auch an den Hochschulen selbst mangelt es oft an Artenwissen.

Wissenserosion auf breiter Front

Doch nicht nur an der Spitze gibt es eine Wissenserosion. Auch in der Breite beobachten Naturschutzverbände, dass selbst häufige Tier- und Pflanzenarten nicht mehr erkannt werden. „Dabei haben nach wie vor viele Kinder und Jugendliche ein großes Interesse an der Natur“, sagt Bronner. „Wenn sich allerdings Eltern und Lehrer selbst nicht auskennen, können sie auch nichts weitergeben.“ Daher ist eine der Kernforderungen der Initiative, dass das Wissen um die Arten in der Lehrerausbildung wieder mehr Raum erhält.
„Es kann nicht sein, dass die Schüler im Bio-Unterricht zwar den Zitronensäurezyklus auswendig lernen, aber nicht, wie man einen Spatz von einem Buchfink unterscheidet. Das ist nach wie vor das unverzichtbare Einmaleins der Ökologie“, sagt Bronner. Dafür bedürfe es auch einer Änderung der Bildungspläne. „Wie man in Mathe nicht am Dreisatz vorbeikommt, darf man in Bio nicht ohne grundlegendes Artenwissen bleiben.“

Vorhaben der „Initiative Artenkenntnis“

Konkret hat sich der LNV mit der „Initiative Artenkenntnis“ zum Ziel gesetzt, das Artenwissen in einem breiten Netzwerk voranzubringen. Auf der Agenda steht unter anderem eine intensive Lobbyarbeit: Hochschulen sollen der klassischen Biologie wieder mehr Raum einräumen, etwa mit Bestimmungsübungen und entsprechenden Professuren. In der Lehrerfortbildung sollen Artenkenntnisse vermittelt werden. Eine neue Informationsplattform soll zukünftig die Bildungsangebote zum Artenwissen bündeln und so für alle Interessierten zugänglich machen.

Jetzt gestartet: Youth in Nature

Ein erstes Angebot für neugierige Jugendliche hat der LNV ebenfalls heute gestartet:
„Youth in Nature“. Ziel dieses vom Land geförderten Projektes ist es, dass Jugendliche ein oder zwei Jahre lang in festen Gruppen immer wieder gemeinsam in die Natur gehen. Auf den ein- und zweitägigen Exkursionen erforschen sie zusammen mit Artenkennerinnen und -kennern, welche Arten dort leben, wie man Tiere beobachtet und bestimmt und wie Forschungseinrichtungen, naturkundliche Museen und Naturschutzzentren arbeiten. „Wir bedanken uns bei der Landtagsfraktion der Grünen, auf deren Initiative das Projekt zurückgeht und die es erfolgreich in die Haushaltsberatungen des Landes eingebracht hat“, sagte Bronner. Interessierte Jugendliche können sich ab sofort um einen Platz bewerben. Projektgruppen wird es in den Großräumen Stuttgart, Tübingen, Freiburg und Karlsruhe sowie am Bodensee geben.

Download

Hintergrundpapier zur Initiative Artenkenntnis
10-Punkte-Programm zur Förderung der Artenkenntnis

Grußwort des Ministerpräsidenten

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Die Natur mit ihrer Flora und Fauna ist unsere Lebensgrundlage. Auch in unserer hochtechnisierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist die biologische Vielfalt Grundlage für unsere Ernährungssicherung, von weitreichender Bedeutung für die Klimaregulation und ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Und sie trägt entscheidend zur Erholung und Lebensqualität unserer Gesellschaft bei.

Doch wir beklagen einen weltweiten dramatischen Verlust an Arten. Zuletzt wurde der dringliche Handlungsbedarf zum Erhalt der Biodiversität durch die medialen Meldungen des Welt-Biodiversitätsrates im Frühjahr 2019 erneut offenbart. So sind auch 40 Prozent der Tier- und Pflanzenarten bei uns in Baden-Württemberg gefährdet. Das ist alarmierend, denn was ausstirbt ist unwiederbringlich verloren.

Hinzu kommt die in den letzten Jahren und Jahrzehnten festzustellende Wissenserosion bezüglich der Artenkenntnis und des Artenwissens in unserer Gesellschaft. Es mangelt zunehmend an Expertinnen und Experten mit ausreichend Artenkenntnissen, die den Verlust der Arten überhaupt dokumentieren und untersuchen könnten. Auch das abnehmende Wissen um Tier- und Pflanzenarten in der Zivilgesellschaft ist aus meiner Sicht ein dramatisches Signal. Denn was ich nicht kenne, kann ich nicht vermissen.

Als Ministerpräsident aber auch als leidenschaftlicher Biologe ist es mir daher ein echtes Herzensanliegen, dass wir alles tun, um die biologische Vielfalt im Land zu bewahren und das Wissen um sie zu vermitteln. Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft den Naturschutz gemeinsam angehen. Unser Auftrag lautet: erhalten, was uns erhält.

So sieht es auch der Landesnaturschutzverband BadenWürttemberg e.V. und hat mit der „Initiative Artenkenntnis“ sich zum Ziel gesetzt, das Wissen über die Natur und Umwelt zu stärken. Vor allem Kinder und Jugendliche sollen frühzeitig dafür sensibilisiert werden. Denn das Wissen ist essentiell, um unsere Natur schätzen und schützen zu können. Nur, wer Tiere und Pflanzen kennt und um ihre Einzigartigkeit sowie insbesondere ihre Bedeutung in unseren Ökosystemen weiß, kann die katastrophalen Auswirkungen des Artenschwunds richtig verstehen und mit seinen Möglichkeiten direkt dagegen vorgehen.

Darüber hinaus verstärkt Artenkenntnis die regionale Identität und Verortung, das Denken in Systemen und Zusammenhängen und fördert damit Kinder und Jugendliche zu aufmerksamen und verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürger heranzuwachsen.

Allen, die an der Organisation und Umsetzung der „Initiative Artenkenntnis“ des Landesnaturschutzverbands BadenWürttemberg e.V. beteiligt sind, danke ich als Schirmherr sehr herzlich. Mit ihrem großartigen Engagement leisten alle Beteiligten einen wichtigen Beitrag zum Schutze unserer Lebensgrundlage.

Winfried Kretschmann
Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

Grusswort als pdf-Datei